Lageplan Altstadt Delitzsch um 1900
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Eingangsschild Alte Kläranlage Delitzsch 1921
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Doppelkolbenmotor
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Wasserverwertungsverband
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Bodenarten und Bodenwertzahlen
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Werbung um 1945
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Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Abwasserentsorgung in Delitzsch hauptsächlich über offene Gräben, Rinnsteine, Gossen und Rinnsale bis zu den nahen Gewässern, wie Mühlgraben, Stadtgraben, Lober und Schäfergraben. Mit dem Ansteigen der Einwohnerzahl entstanden zunehmende Entsorgungsprobleme.

Erste Bemühungen einer Kanalisierung

1867 wurde innerhalb der städtischen Körperschaften die sehr nötige Umpflasterung fast aller Straßen der Stadt erwogen. Bei Gelegenheit dieser Beschlussfassung erörterte Bürgermeister Hagedorn die Notwendigkeit der Kanalisierung wenigstens der Hauptstraßen, fand aber kein Entgegenkommen, zumal da der um seine Meinung befragte Kreisbaumeister Lipke als Sachverständiger sich gegen den Plan erklärte, dessen Ausführung zwecklos und kostspielig sei, letzteres auch wegen der Schwierigkeit der Kanalreinigung. Leider wird Bürgermeister Hagedorn durch seinen vorzeitigen Tod verhindert, diesen für die Entwicklung der Stadt so vorteilhaften Gedanken aller Gegnerschaft zum Trotz doch noch zur Durchführung zu bringen.

Die Kanalisierung wird ausgedehnt

Erst 25 Jahre nach dem Tod von Bürgermeister Hagedorn wurden seine wertvollen Gedanken wieder aufgegriffen. Um eine am Westabhange der Bitterfelder Straße bis zum Schulgebäude sich entlang ziehenden übel riechenden Graben zu beseitigen, wurde die Kanalisierung dieser Straße beschlossen. Dieser Bau wurde im darauf folgenden Jahr fertig gestellt. Am 17. Juli 1883 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, die Kanalisierung auf noch weitere Straßen auszudehnen. Vor allem sollte die Schlossgasse durch den Mühldamm über den Pfortenplatz nach dem Lober unterhalb der Stadtmühle, desgleichen von der Breiten Straße her nach dem Pfortenplatz erschlossen werden. „Man beseitigt damit zugleich die vielen stinkenden Hausrinnsteine."

Im Zuge der Umpflasterungen wurden 1883/84 gleichzeitig die Hinterhäuser des Gerberplanes und die Straße zwischen den Scheunen der Halleschen Vorstadt kanalisiert. Weiterhin erfolgte die Entwässerung der Dübener Straße, mit Anschluss an den zuvor fertig gestellten Kanal in die Bitterfelder Straße. 1885 und 1886 wurden die Umpflasterungen mit einhergehender Kanalisierung der Halleschen Straße, Badergasse, Ritterstraße, Milchgasse, Leipziger Straße, Holzgasse und kleine Schlossgasse fortgesetzt. Mit Kanalanlagen wurden 1890 die Eilenburger Straße, Lindenstraße, Töpfergasse, Quergasse und ein Teil der Elisabethstraße versehen. Im darauf folgenden Jahr wurde der andere Teil der Elisabethstraße sowie die Angerstraße und der Schäfergraben mit Kanalanlagen ausgestattet. 1895 wurde eine neue Kanalanlage, da sich die alte als unzureichend erwiesen hat, für die Bitterfelder Straße und den Gerberplan ins Werk gesetzt.

Am 19. Juni 1898 wurde nach den Plänen des Stadtbaurates Benzmer (Halle), von einer Kommission und dem Magistrat, die Kanalisierung in der Bismarckstraße und die der Leipziger Vorstadt beschlossen. Ferner die Herstellung eines Hauptkanals, vom Kohltore bis zur Gerberwäsche. Die Ausführung des Beschlusses zog sich aber sehr in die Länge und kam erst sechs Jahre später zustande.

Neukanalisierung und Bau einer Kläranlage

Die längst erwartete und seit Jahren geplante, unterm 15. August 1904 höheren Orts erteilte Genehmigung zur Neukanalisation traf endlich ein. Man ging nun ohne Aufschub daran, die Kanalisation nach den Benzmerschen Plänen in Ausführung zu bringen. Einer an der ehemaligen Naundorfer Mühle befindlichen Abwässerreinigungsanstalt wurden sämtliche Kanalwässer durch einen in der Nähe des Lobers eingebauten Schmutzwasserkanal zugeführt. Die Kanalisierung der Roon,- Luisen,- und Maibachstraße und der Bau eines Regenwassernotauslaufs von der Leipziger Straße durch die Holzstraße nach dem Stadtgraben und von der Dübener Straße über den Schützenplatz zum Lober erfolgte 1909. 1910 wurden ein Regenwasserkanal im Rosental und Kanäle in der Blücherstraße verlegt, 1929 in der Querstraße.

Der Magistrat trat 1929 einer Rieselfeldgenossenschaft, die sich zwecks Schaffung einer ausreichenden Kläranlage unter dem Vorsitz von Landrat Meister gebildet hat, bei. Nach dem Bau der Kläranlage unterhalb der Naundorfer Mühle wurden die Abwässer der Stadt Delitzsch mechanisch in mehreren Klärbecken gereinigt und in einem Abwasserteich gespeichert. Grobe Verunreinigungen wurden zuvor durch einen handbetriebenen Rechen entfernt. Die Wassermengen aus den Regenereignissen wurden durch zahlreiche Überläufe innerhalb des Kanalnetzes von Delitzsch und des Überlaufes der Kläranlage in den angrenzenden Lober entsorgt. Das mechanisch gereinigte Abwasser wurde über ein Druckrohrleitungs- und Grabensystem zu den Rieselfeldern nördlich von Delitzsch geleitet und hier in Richtung Kosebruchteiche mit Überlauf zum Lober verrieselt.

Gründung der VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Leipzig

Am 1. Juli 1964 übernahm der VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Leipzig die Geschicke der Abwasserbehandlung im Delitzscher Land. Auch hier wurde die Verrieselung weiter ausgebaut und sogar Abwässer aus Leipzig in Delitzscher Umgebung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen aufgebracht. Mit dem Wohnungsbauprogramm der Stadt Delitzsch, in den sechziger, siebziger und vor allem in den achtziger Jahren wurde auch der Norden von Delitzsch komplett erschlossen. Wertvolle Verrieselungsfläche ging dabei verloren. Zudem nahm der Abwasseranfall durch die Bevölkerungszuwanderung aus den Dörfern, welche dem Kohleabbau zum Opfer fielen, ständig zu. Vermehrt traten Entsorgungsprobleme auf.

Dies war der Anlass zum Neubau eines Sammlers von dem Standort der alten Kläranlage Delitzsch unterhalb der Naundorfer Mühle und dem Bau einer größeren mechanischen Kläranlage außerhalb von Delitzsch. Die Arbeiten hierfür wurden bereits 1985 begonnen und erst nach der politischen Wende in Deutschland abgeschlossen. Die neue mechanische Kläranlage war gerade im Betrieb, schon schlossen sich die Planung und der Bau einer biologischen Kläranlage an. Mit den regelmäßigen Neuerungen und Ersatzinvestitionen verrichtet diese Reinigungsanlage bis heute ihren Dienst.

 
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